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Lebensmitteltechnologie: Die Kunst der Haltbarmachung

Veröffentlicht am: 22.05.2024
Lebensmitteltechnologie Konservierung Enzyme
Lebensmitteltechnologie: Die Kunst der Haltbarmachung

1. Warum konservieren wir?

Das Hauptziel der Konservierung ist es, das Wachstum von Mikroorganismen (Bakterien, Hefen, Schimmel) zu hemmen oder sie abzutöten und unerwünschte biochemische Reaktionen zu verlangsamen. Dafür gibt es verschiedene Strategien, die sich in physikalische und chemische Verfahren unterteilen lassen.

2. Physikalische Konservierungsverfahren

Diese Methoden verändern die physikalischen Bedingungen so, dass Mikroorganismen nicht überleben oder wachsen können. Sie sind eine große Gruppe von anerkannten Methoden zur Konservierung.

  • Einsatz von Hitze (Thermische Verfahren):
    • Pasteurisieren: Eine moderate Kurzzeiterhitzung (z.B. Saft auf 85°C), um krankmachende und die meisten verderbniserregenden Keime abzutöten. Das Produkt ist danach aber nicht steril.
    • Sterilisieren: Ein intensives Erhitzen (meist über 121°C), das alle Mikroorganismen inklusive ihrer robusten Sporen abtötet und das Produkt sehr lange haltbar macht.
    • Heißabfüllung: Hier wird das Produkt erhitzt und direkt heiß abgefüllt, z.B. verarbeitetes Apfelmus. Das heiße Produkt entkeimt die Verpackung von innen.
    • Blanchieren: Kurzes Erhitzen von Gemüse vor dem Tiefgefrieren, um pflanzeneigene Enzyme zu inaktivieren, die sonst für Vitaminabbau und Farbveränderungen verantwortlich wären.
  • Einsatz von Kälte:
    • Tiefgefrieren: Das Einfrieren bei mindestens $-18^\circ\text{C}$ verlangsamt mikrobielle und enzymatische Prozesse drastisch. Zum direkten Kontakt eignen sich kryogene Gase wie gekühlte Luft, flüssiger Stickstoff sowie festes Kohlenstoffdioxid (Trockeneis).
  • Wasserentzug:
    • Trocknen: Entzieht Mikroorganismen die Lebensgrundlage Wasser und ist somit ein rein physikalisches Verfahren.

3. Chemische & biochemische Verfahren

Hier werden Stoffe zugesetzt oder biochemische Prozesse genutzt, um die Haltbarkeit zu verlängern.

  • Konservierungsstoffe: Alle chemischen Konservierungsstoffe haben die gemeinsame Eigenschaft, das Wachstum von Mikroorganismen zu hemmen.
  • Salzen & Zuckern: Diese Methoden funktionieren, indem sie die Wasseraktivität ($a_w$-Wert) reduzieren. Das Wasser wird gebunden und steht Mikroorganismen nicht mehr zur Verfügung.
  • Pökeln & Räuchern: Das Pökeln (Einsatz von Nitritpökelsalz) ist ebenfalls eine chemische Methode. Beim Räuchern kommen zwei Effekte zusammen: Wasserentzug und die keimtötende Eigenschaft des Rauchs.
  • Säuern: Das Einlegen in Essig senkt den pH-Wert und schafft ein lebensfeindliches Milieu.

4. Enzyme und Reaktionen in Lebensmitteln

  • Enzyme sind Proteine, die als Katalysatoren biochemische Reaktionen beschleunigen. So spaltet das Enzym Lipase Fette.
  • Enzymatische Bräunung: Das schnelle Braunwerden von frisch angeschnittenen Äpfeln an der Luft ist eine enzymatische Reaktion. Sie lässt sich durch Ascorbinsäure (Vitamin C) verhindern.
  • Maillard-Reaktion: Dies ist eine nicht-enzymatische Bräunungsreaktion zwischen Aminosäuren und reduzierenden Zuckern unter Hitzeeinwirkung, die für die typische Bräunung und die Röstaromen von Fleisch oder Backwaren verantwortlich ist.

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